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margit hartnagel

um die künstlerischen arbeiten von margit hartnagel zu beschreiben, könnte man vergleichsweise auf heisenbergs unschärferelation verweisen, die um die optionen eines ereignisses weiss ohne letztlich bestimmen zu könne, welche dieser möglichkeiten dann tatsächlich eintritt. mit anderen worten: margit hartnagel arbeitet an einem begriff der grenze, der als näherungswert verstanden wird, wenn man so will: als konvention, die damit nicht nur verhandelbar, sondern auch verrückbar wird.

margit hartnagel bedient sich der malerei, um dieses herantasten an eine grenze zu formulieren. gerade die malerei erlaubt ihr das scheinbar paradoxe präzisieren, einer zone des unbestimmbaren. wenn sie eine fläche anlegt und diese auf eine grenze zulaufen lässt, dann wird zwar der raum dieser grenzziehung evident, zugleich aber wird klar, dass die unbestimmbarkeit der eigentlichen grenzlinie eine bewusste entscheidung von betrachter oder betrachterin erfordert. die formale unschärfe der grenzlinie legt nur eine vermutung nahe.

in diesem sinne plädieren hartnagels arbeiten für eine buchstäblich ästhetische praxis, die sich nicht auf ein rational bestimmbares wissen beziehen kann, sondern auf die erfahrung und ahnung setzen muß. im selben maße stellt sie den impliziten illusionismus der malerei zur diskussion: was wissentlich als bild und damit als fläche gestaltet ist, erscheint wider besseres wissen als räumliche metapher.

haben wir mit heisenbergs usnchärferelation begonnen, so stehen wir jetzt vor dem foersterschen theorem, das eine entscheidungsfrage dahingehend definiert, dass eine entscheidung nur dann möglich wird, wenn sich eine frage nicht logisch oder rational beantworten lässt und damit eben entschieden werden muss. diese entscheidung weiss um die unauslotbare begründbarkeit einer antwort, man könnte auch sagen: um die möglichkeit eines irrtums oder fehlers. und dieses wissen um die mögliche fehlerhaftigkeit einer entsscheidung stellt diese selbst immer wieder vor die gleiche frage. waren die metaphysik und das sublime konstruierbare räume eines nicht hinterfragbaren grundes für mögliche entscheidungen, so entwirft hartnagel heute einen profanen raum des einst sublimen, der sich durch die unentscheidbarkeit charakterisiert.

wien, 2000

andreas spiegl